Nach Queensland und Northern Territory steht jetzt South Australia auf unserem Programm. Cirka 1.600 km liegen vor uns, ehe wir den nächsten längeren Stopp in Adelaide erreichen werden.
Dazwischen liegt Cooper Pedy, die selbsternannte „Opalhauptstadt der Welt“. Hier gibt es vor allem Stein, Sand, Sonne, Fliegen und in der Erde versteckt, weiße Opale. Seit dem Jahr 1915 werden an diesem Ort die in allen Farben des Regenbogens schimmernden Steine aus der Erde geholt.
Und da hier ein Leben an der heißen und staubigen Erdoberfläche nicht besonders attraktiv ist, haben es schon die alten Opalschürfer vorgezogen, unter der Erde zu wohnen. Heute gibt es viele unterirdische Wohnungen, Hotels, Kirchen und sogar einen Campingplatz.
Wir besuchen eine der alten aufgelassenen Minen und plaudern dort mit einer deutschen Auswanderin, die sich seit mehr als 30 Jahren hier heimisch fühlt. Die Miene ist ja ganz interessant und die das ganze Jahr gleichbleibende Temperatur von ca. 23 Grad ist wirklich verlockend,
doch nach dem Besuch zweier unterirdischer Kirchen und eines Cafes, entscheiden wir uns lieber doch weiterzufahren. Fürs Höhlenleben scheinen wir beide nicht geeignet. Da suchen wir uns lieber ein Quartier in einem netten, kleinen, überschaubaren Ort.
Glendabo kommt uns da gerade recht. Schon das Ortsschild zeigt, dass die Bevölkerung hier zwar nicht besonders groß, aber durchaus humorvoll ist.
Nachdem wir am nächsten Morgen unser Frühstück mit den 2.000.000 Fliegen geteilt haben, entscheiden wir uns jedoch, dass auch hier nicht unser Traumplatz ist, und nehmen die letzte Etappe im „Busch“ – wie die Australier sagen – in Angriff.
Fast ein wenig wehmütig verabschiede ich mich von dem Gefühl der unendlichen Weite, der roten Erde, und wie als Trost zum Abschied – begegnen uns noch ein paar wilde Emus.
Dann wechselt das Landschaftsbild drastisch, grüne saftige Wiesen, hohe Bäume und richtige Häuser erscheinen uns wie Vorboten der Zivilisation. Adelaide, die Hauptstadt von South Australia heißt uns willkommen.
Hier haben wir uns für drei Tage bei Tanja und Mattew einquartiert und genießen das Stadtleben in einem „richtigen Haus“. Die beiden haben sogar 2 Räder für uns und so verbringen wir einen wunderschönen, sonnigen Tag in dieser wirklich interessanten Stadt.
Wir besuchen Chinatown, verpflegen uns mit Leckerein am lokalen Markt – es gibt sogar „richtiges Brot“ – und genießen einen Kaffee in der Sonne mit Blick auf den Fluss.
Der Wettergott ist uns hold und dank der tagsüber scheinenden Sonne ist der „Klimaschock“ nicht allzu groß. Im Gegenteil – mindestens 10 Grad weniger sorgen für ein wirklich angenehmes Klima in dieser Jahreszeit.
„In ein paar Monaten ist hier alles braun und vertrocknet“ versichert unsere Gastgeberin glaubhaft. Dies ist bei all den blühenden Blumen um uns kaum zu glauben, doch wir wissen sehr gut, Australien ist ein Land der Extreme. Umso glücklicher schätzen wir uns, den Frühling in Adelaide erleben zu können.
Doch das Wetter wird schlechter und seit langer Zeit erleben wir auf unserer Weiterreise in Richtung Melbourne den ersten wirklich starken Regen. Es hat schließlich seinen guten Grund, warum hier alles grünt und blüht.
Aber wir haben Glück und am nächsten Abschnitt scheint wieder die Sonne vom nicht ganz wolkenlosen Himmel. Wir befinden uns mittlerweile in Victoria, dem flächenmäßig kleinsten Bundesstaat am Festland.
Der schönste und bekannteste Weg von Adelaide nach Melbourne führt über die „Great Ocean Road“. Zwar bekommen wir den Ozean nur auf einem relativ kurzen Teil der Strecke zu sehen, trotzdem können wir verstehen, warum diese Route von rund 8,5 Mio. Menschen jährlich besucht wird.
Dort wo das aufgewühlte Meer auf den Kalkstein der Küste trifft, formt es wunderschöne Skulpturen und Höhlen. Die weitaus bekanntesten und beliebtesten davon sind „die zwölf Aposteln“. Diese Felsformation welche ursprünglich aus 9 und seit 2009 nur mehr aus 8 verschieden hohen und dicken Türmen besteht, ist ein absoluter Besuchermagnet.
Ein riesiger Parkplatz mit Hubschrauber-Landeplatz und gut gesicherten Wege bändigen die Touristenströme von denen sich niemand an dem irreführenden Namen stört.
Doch auch wenn „Loch Ard Gorge“, „London Bridge“ oder „The Grotto“ weit weniger Touristen interessieren, an Schönheit stehen diese Aussichtsplätze den Aposteln um nichts nach. Im Gegenteil, die Einsamkeit dort macht sie für uns nur umso attraktiver.
Wir teilen unsere Fahrt auf der 243 km langen Great Ocean Road und übernachten in der kleinen Ortschaft Apollo Bay ehe wir uns endgültig Melbourne zuwenden. Und auch der nächste Tag birgt noch eine Überraschung für uns.
Eigentlich waren wir ja schon überzeugt davon, dass eines der Nationaltiere Australiens heute nur mehr in Zoos zu finden ist. Ganz haben wir die Hoffnung nie aufgegeben, doch noch auf sie zu treffen.
Unser Austraalien-Führer beschreibt eine kleine Straße in Kew River – ich werde mich nie daran gewöhnen, dass die Australier ihre Dörfer mit „River“ und „Bay“ benennen – an der wild lebende Koalas angetroffen werden können.
Das wollen wir uns natürlich nicht entgehen lassen und wirklich, ein kleiner Spaziergang entlang der bezeichneten Straße führt uns näher an diese putzigen Kerlchen heran, als wir es uns je vorstellen hätten können.
Die meisten der hierher geleiteten Touristengruppen begnügen sich allerdings damit, die ebenfalls hier lebenden Kakadus und Papageien zu füttern. So werden die in den Bäumen schlafenden Koalas wenigstens nicht in ihrer Ruhe gestört und können sich ihrer Lieblingsbeschäftigung widmen: Fressen und Schlafen!
Immerhin benötigen diese Tiere 200-400 Gramm Eukalyptusblätter pro Tag und verbringen bis zu 20 Stunden schlafend, eingeklemmt in einer Astgabel. Besonders gemütlich sieht das allerdings nicht aus.